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Wert des Jahres
2010 Glaube
Das lateinische Wort für „Glaube“ ist „credere“ und bedeutet „vertrauen,
sein Herz (auf etwas/jemanden) setzen“.
Sein Herz auf Gott/den Höchsten zu setzen heißt, in Beziehung zu ihm zu treten
und sich auf Begegnungen einlassen. Glaube ist daher einerseits der sichtbare
Ausdruck (Gebete, Rituale, Symbole) dieser gelebten Beziehung und andererseits
eine nicht sichtbare Seite des menschlichen Lebens, weil Beziehung Intimität
beinhaltet und daher nicht (immer) öffentlich zugänglich gemacht wird.
Diese unsichtbare Seite des Glaubens ist eine ständige Herausforderung, wie
jede andere Beziehung.
Die Beziehung zu Gott/dem Höchsten ist einem Wandel unterworfen, impliziert
Höhen und Tiefen, Nähe und Distanz, Liebe und Zorn/Ohnmacht. Ihre Liebe zu Gott
und ihr Vertrauen zu dem Höchsten bringen die Menschen auf unterschiedliche Art
und Weise zum Ausdruck:
Durch Gebete und Meditationen, die Teil jeder Religion sind.
Durch Rituale, die die Menschen in allen Lebenssituationen und
Lebenseinschnitten begleiten wie Taufe, Beschneidung, Konfirmation, Hochzeit,
Krankensalbung, Totenwaschung.
Durch Symbole wie Kreuz, Gebetsteppich (Islam), Menora (siebenarmiger Leuchter
und eines der wichtigsten Symbole im Judentum), Gebetsflaggen (Buddhismus).
Glaube bedeutet aber auch, dass Gott/ der Höchste eine Beziehung zu den
Menschen eingegangen ist. Aus christlicher Sicht hat Gott den Menschen etwas
sehr Wertvolles übergeben, seine Schöpfung. Er hat so großes Vertrauen, dass
die Menschen diese hüten und verwalten. Und Gott spürt so viel Liebe, dass er
den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat und ihm die Freiheit schenkt,
das Leben zu gestalten.
Glaube ist individuell. Er wird unterschiedlich gelebt, wahrgenommen,
weitergegeben. In jeder Religion gibt es Regeln, Gesetze, Abläufe – und
trotzdem ist jede Gottesbeziehung einzigartig. So wie jeder Mensch einzigartig
ist. Diese Einzigartigkeit von Gottesbeziehung drückt sich in folgendem
christlichen Glaubensbekenntnis aus:
Wir glauben
Wir glauben, dass Gott die Erde als Erbe seinen Kindern überlässt,
damit dort jeder mit vollem Recht seinen Anteil am Leben und an der Würde
findet.
Wir glauben, dass er in jedem Menschen für immer gegenwärtig ist.
Wir glauben, dass Jesus einer von uns geworden ist, unser Bruder,
der mit uns geht, auf all unseren Lebenswegen.
Wir glauben, dass seit seiner Ankunft auf der Welt jeder Mensch zu seinem
Ebenbild geworden ist.
Wir glauben, dass die menschliche Erde der Ort der Liebe Gottes ist!
2009: Glaube
Pisteos (griech.) ist ein Beziehungswort: sich an Gott festmachen. Pistis
bedeutet: Vertrauen. Vertrauen in Gott als einem Gegenüber, das für die
glaubende Person spürbare, wahrnehmbare Wirklichkeit ist.
Glaube bedeutet kein Fürwahrhalten, keine Vertrauensseligkeit.
Glauben ist ein Akt vernünftigen Vertrauens, das zwar keine strengen Beweise,
aber gute Gründe hat. Es schließt Denken, Fragen und Zweifeln ein. Es ist
zugleich Sache des Verstandes, des Willens und des Gemütes.
Glaube entsteht durch eigene Erfahrung, durch Erziehung, durch
Sozialisation, durch Bildung, durch Wissen über Glaubensinhalte.
Glaubensinhalte werden reflektiert und überprüft. Wachstum des Glaubens ist
abhängig von der Lebenserfahrung, den Herausforderungen, der Unterstützung, die
man erfährt. Glaube kann eine Antwort auf Lebenserfahrungen von liebevoller,
hilfreicher Zuwendung sein.
Glaube ist die persönliche Beziehung zu Gott, die dem Menschen Wurzeln und
Flügel zum Leben geben kann. Glaube ist Kraftquelle und Orientierung im
wertschätzenden Umgang mit Menschen. Diese Wirklichkeit Gottes kann ich auch in
meinen Mitmenschen wahr nehmen. Grüß Gott kann auch bedeuten: das Göttliche
in mir, grüßt das Göttliche in Ihnen.
Glaube kann heilsam wirken und dem Menschen in der Auseinandersetzung mit
Krankheit und Leid weiter helfen.
Glaube äußert sich im alltäglichen Tun: aus der Verankerung in Gott (durch das
Gebet, durch den Dialog mit einem göttlichen Gegenüber, durch das Hinhören auf
Gottes Stimme) sind Menschen entspannter, gelassener, hoffnungsfroher und sie
können die Widrigkeiten des Lebens besser annehmen und mit ihnen umgehen.
Woran glaube ich persönlich? Woran hängt mein Herz? Was ist mir heilig?
2008: Wahrhaftigkeit
Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit sind eine Kraft, vergleichbar mit dem Gefühl
von Freiheit und Sonne für die Seele. Halbwahrheiten, Täuschungen können zu
einem Spiel der Masken führen.
Der heurige Jahreswert bietet uns Anlass, uns mit der Wahrhaftigkeit uns
selbst gegenüber der eigenen Authentizität; mit der Ehrlichkeit im Miteinander
und mit der Wahrheit am Krankenbett auseinanderzusetzen.
Wenn es uns gelingt der eigenen inneren Wahrheitsstimme zu folgen, fördern
wir dies auch beim Patienten und bei unseren Mitmenschen.
2007: Barmherzige Liebe
Barmherzige Liebe wendet sich allen Menschen ohne Unterschied zu. Sie
begegnet ihnen aufmerksam und mitfühlend. Aus der Sensibilität für die
Bedürfnisse des anderen erwächst der Dienst an Leib und Seele. Barmherzige
Liebe öffnet die Herzen und beschenkt gleichermaßen den Empfangenden und auch
den Gebenden.
2006: Soziale und ökonomische Verantwortung
"Soziale und ökonomische Verantwortung" ein Wertepaar aus dem Leitbild der
Barmherzigen Schwestern bildet den Wert des Jahres 2006.
Soziale Verantwortung
Soziale Verantwortung stellt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im
Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien keinen bloßen Slogan dar.
Soziale Verantwortung leben wir jeden Tag: im Umgang mit Patientinnen und
Patienten, mit unseren Kolleginnen und Kollegen, mit Zuweisern und unseren
Partnern.
Soziale Verantwortung bedeutet für uns ein Engagement einzugehen, das über die
gesetzlichen, vertraglichen und allgemeinen Verpflichtungen hinausgeht.
Sozial verantwortlich handeln wir, wenn wir uns unserer Taten bewusst sind. Der
Beruf im Gesundheitsbereich im Allgemeinen und im Bereich der gemeinnützigen
Ordenskrankenhäuser im Besonderen setzt eine hohe soziale Kompetenz voraus, die
über das reine Arbeitsverständnis weit hinausgeht.
"Als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter handeln wir sozial verantwortlich, indem
wir ganz persönlich und direkt eine besondere Bereitschaft eingehen: die Folgen
für unser Handeln zu tragen und für die Patientinnen und Patienten zu
übernehmen, kulturelle Unterschiede zu akzeptieren und auf die sozialen
Bedürfnisse jedes Einzelnen einzugehen", so fasst Schwester Maria Michaela,
Wertemanagerin im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien, den gelebten
Alltag zusammen.
"Als Arbeitgeber handeln wir sozial verantwortlich, indem zum Beispiel
Dienstpläne und Urlaube so gut wie möglich auf die Bedürfnisse unserer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren Familien und Angehörigen angepasst
werden. Die Förderung jedes Einzelnen ist ein großes Anliegen. Jede
Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter verfügt über ganz bestimmte Talente. Wir
wollen diese Talente nicht nur bestmöglich einsetzen, sondern auch fördern.
Nicht nur zum Wohl des Einzelnen, sondern zum Wohl der ganzen Gesellschaft. In
unserem Krankenhaus bemühen wir uns täglich, die Welt im Kleinen zu
verbessern."
Ökonomische Verantwortung
Neben der sozialen Verantwortung übernehmen wir auch eine ökonomische
Verantwortung. Es macht kaum Sinn bzw. würde nur kurz reichen, sich einzusetzen
ohne auf wirtschaftliche Notwendigkeiten zu achten. Die Übernahme ökonomischer
Verantwortung fängt bei jedem Einzelnen an. Der verantwortungsbewusste Umgang
mit unseren eingesetzten Mitteln muss jeden Tag stimmig sein. Verschwendung
oder unwirtschaftliches Handeln sind unangebracht, stehen wir doch auch im
Auftrag der Gesellschaft und in der Verantwortung für die Schöpfung.
Dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden, beweist eine aktuelle Arbeit des
Instituts für höhere Studien (IHS), die den Ordensspitälern besonders wirksames
Arbeiten bescheinigt, erklärt Verwaltungsdirektor Thomas Pavek, der auch in der
Wertegruppe aktiv mitarbeitet.
Werteworkshops und Arbeitsgruppen
In den halbjährlichen Werteworkshops 2006 wird das Thema "soziale und
ökonomische Verantwortung" intensiv behandelt. Alle Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter werden gebeten, ihre Ideen und Projekte einzubringen, wie man das
Wertepaar des Jahres im Krankenhausalltag noch deutlicher und besser umsetzten
kann.
In der Wertegruppe wurden bereits erste Ansätze entwickelt, über die wir im
Laufe des Jahres berichten werden.
Im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern wird soziale und ökonomische
Verantwortung als einer von 5 Hauptwerten sicher gelebt und täglich
verwirklicht.
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